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Grand Prix de Monaco 2001

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DIE KÖNIGE VON MONACO

Michael Schumacher siegt zum fünften Male in Monte Carlo

Wenn Fürstin Gracia Patricia, einst Jackie Stewarts Traumfrau im Kino, dem legendären Graham Hill, dem Vater von Damon, in der mit violetem Samt ausgeschlagenen Loge zum Sieg im Grand Prix von Monaco gratulierte, war das Ende der sechziger Jahre längst zur Routine geworden. Hill, einziger Fahrer der Geschichte mit der Dreifach-Krone (Formel 1, Indianapolis, Le Mans) hatte seine Karriere 1958 im Fürstentum an der Còte Azur begonnen und 1975 dort auch beendet, dazwischen aber dort 5 seiner insgesamt 14 Grand Prix gewonnen. Der Brite stürzte später Ende 1975 mit seinem Privatflugzeug ab, die Fürstin starb 1983, von allerlei persönlichen Problemen geplagt, bei einem Autounfall oberhalb Monacos unter bis heute nicht ganz geklärten Umständen. 1984 tauchte ein gewisser Ayrton Senna mit einem Toleman Hart auf, holte mit irrsiniger Geschwindigkeit auf den führenden Alain Prost im McLaren TAG auf und hätte höchstwahrscheinlich seinen erst 6. Grand Prix gewonnen, hätte Renndirektor Jacky Ickx das Rennen nicht wegen der starken Regenfälle vorzeitig abgebrochen. Später siegte Senna sechsmal, von 1989 bis 1993 mit McLaren sogar fünfmal in ununterbrochener Reihenfolge.

Ayrton Senna, Graham Hill und jetzt auch Michael Schumacher sind die Könige von Monaco, denn auch der deutsche Dreifach-Weltmeister gewann 2001 zum insgesamt 5. Mal auf einer Strecke, die, ehrlich gesagt, schon vor 25 Jahren hätte aus Sicherheitsgründen aus dem Kalender der Weltmeisterschaft gestrichen werden müssen. Vor der Massenet-Linkskurve kurz vor dem Eingang des Hotel de Paris sind die Autos 270 km/h schnell, ausgangs des Tunnels in diesem Jahr, dank weniger Flügelfläche, sogar erstmals 300 km/h. Als Heinz-Harald Frentzen in der 50. Runde in der Rechtsbiegung des Tunnels vehement mit den linksseitigen Räder in die Mauer einschlug, hatte er Glück, dass der Jordan Honda bis zum Ausgang entlang der Leitschienen ging und nicht auf der Gegenseite einschlug. Aber was passieren kann, wenn es zu einem Auffahrunfall wie zwischen Ralf Schumacher und Jacques Villeneuve in Melbourne kommt und die Autos aufsteigen, vermag man sich besser nicht vorzustellen. Der Grand Prix von Monaco mit seiner glamourösen Atmosphäre, der mit Lorenzo Bandini 1967 Gott sei Dank nur ein Todesopfer gefordert hat, wird solange auf dem Stadtkurs von Monte Carlo gefahren, bis ein Auto auf die Tribünen fliegt und hunderte von toten Zuschauern zu beklagen sind. Vor vielen Jahren hatte es beim Automobilclub von Monaco vage Überlegungen gegeben, ausserhalb des Fürstentums auf französischem Territorium Gelände für den Bau einer modernen Rennstrecke zu erwerben, aber inzwischen verschwendet niemand mehr einen Gedanken daran.

Nachdem David Coulthard`s McLaren Mercedes beim Start zur Aufwärmrunde schon zum zweiten Mal in diesem Jahr wegen eines Softwareproblems stehengeblieben war, der Schotte folglich von ganz hinten starten musste, hatte Michael Schumacher mit dem Rennen keine Mühe mehr. Ausser für den einzigen Routinestop in der 54. Runde, wo er für 3 Runden den zweiten Ferrari von Rubens Barrichello an die Spitze liess, gab er die Führung über die gesamte Distanz nicht ab. Auf dem Zielstrich trennten beide Ferrari nach befohlener Rangordnung 0,4 Sekunden. David Coulthard hingegen fuhr nach einem Kampf durchs ganze Feld immerhin noch auf Platz 5, biss sich aber lange Zeit an Enrique Bernoldi im Arrows Asiatech die Zähne aus. Der Brasilianer bekam trotz des direkten Duells um Platz 8 mehrfach die blaue Flagge gezeigt, die er aber ignorierte. Ron Dennis und Norbert Haug waren hinterher nicht sonderlich erfreut und es kam zum verbalen Schlagabtausch mit Bernoldi und seinem Boss Tom Walkinshaw. Mika Häkkinen hat in diesem Jahr einfach kein Glück. Der Silberpfeil erwies sich schon nach wenigen Runden als unfahrbar, in der 15. Runde gab der Finne mit Lenkungsproblemen auf.

Sehr zur Freude von Dr Wolfgang Reitzle und Niki Lauda fuhr Eddie Irvine den Jaguar in Monaco erstmals aufs Podium, obwohl er einmal in Rascasse heftig die Leitplanke berührte. Glamourös an Dr Reitzle, der Chef der Ford-Marken Jaguar, Volvo, Lincoln, Aston Martin und Land Rover ist, ist auch seine Freundin: Die attraktive Nina Ruge ist Deutschlands Society-Journalistin Nummer 1 mit einer eigenen täglichen TV Show.

Wie Jordan Honda, die auch Trulli in Runde 30 wegen eines Motorschadens mit sehr viel Feuer verloren, brachte auch Williams BMW kein Auto ins Ziel. Montoya crashte schon in der zweiten Runde am Schwimmbad, Ralf Schumacher gab in der 58. Runde an der Box mit Hydraulikschaden auf.

Erstmals seit dem Grand Prix von Europa 1999 gab es für das Team von Alain Prost einen Weltmeisterschaftspunkt. Jean Alesi fuhr den Prost Acer AP04 auf Platz 6 ins Ziel, obwohl er 8 Runden vor Schluss nochmals zum Reifenwechsel an die Box musste, weil an einem der Räder starke Vibrationen auftraten. Im Gegensatz zu Bridgestone, wo die Vorderreifen Probleme aufgaben, nutzten sich bei Michelin die Hinterreifen sehr stark ab und waren kurz vor dem Wechsel fast Slicks.

Eine traurige Nachricht erreichte uns an diesem Wochende aus Italien. In seinem Heimatort Camparada di Lesmo ist der frühere March-, Surtees-, und Alfa Romeo-Pilot Vittorio Brambilla im Alter von nur 63 Jahren gestorben. 1975 gewann der Italiener in Zeltweg im strömendem Regen seinen einzigen Grand Prix mit einem March Ford - und krachte nach der Zieldurchfahrt vor lauter Freude in die Boxenmauer. Zuvor war im Warm Up der Amerikaner Mark Donohue in einem privaten March so schwer gestürzt, dass er 2 Tage später in der Grazer Universitätsklinik seinen schweren Kopfverletzungen erlag. Donohues Teamchef war damals Roger Penske. Ein paar Stunden nach dem Grand Prix von Monaco 2001 erzielte der mit den jungen Brasilianern Helio Castroneves und Gil de Ferran in gekauften Dallaras einen Doppelsieg bei den 500 Meilen von Indianapolis. Deren Oldsmobile-Triebwerke werden von der Mercedes-Motorenfabrik Illmor betreut. Die Geschichte geht manchmal seltsame Wege.

Klaus Ewald

 

 

 

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