

AIELLO IST DTM CHAMPION 2002
Der Franzose ist einer der profiliertesten Tourenwagenpiloten in der Welt
Laurent Aiello stellte seinen Abt Audi TT im Qualifying auf die Pole Position und unterstrich damit zum wiederholten Male seine dominierende Stellung in der DTM 2002. Danach allerdings gab es einen handfesten Benzinskandal. Die Verantwortlichen des Deutschen Motorsport Bundes (DMSB) entnahmen ausgerechnet aus dem Tank des Titelfavoriten eine Spritprobe. Die Analyse im Gaschromatographen ergab, dass sie nicht mit dem laut Reglement zu verwendenden Treibstoff übereinstimmte. Dabei ist es unerheblich, ob sich ein Team einen Leistungsvorteil verschafft oder nicht. Teamchef Hans-Jürgen Abt: "Wir sind genauso vor den Kopf getreten wie jeder andere auch. Wir haben die Vermutung, dass es Rückstände vom letzten Test sein könnten. Das werden wir jetzt analysieren." Aiello erhielt die zu erwartende harte Strafe: Ihm wurden alle Qualifikationszeiten (und damit die Pole Position) gestrichen und auch im Qualifikationsrennen blieb sein Auto in der Box. Der Franzose musste also den Wertungslauf vom letzten Startplatz aus aufnehmen.
Fast alle Piloten hatten sich auf den neunten Saisonlauf 2002 gefreut. Die ehemalige Grand Prix Strecke in den Dünen des niederländischen Nordseebades Zandvoort gilt traditionell als fahrerische Herausforderung. Jean Alesi kritisierte jedoch nicht nur die zahlreichen Bodenwellen in den schnellen Passagen, sondern auch die Tatsache, dass an einigen Stellen die Auslaufzonen nicht besonders gross ausgefallen sind. Das Überholen ist in Zandvoort seit jeher nicht einfach.
Da das Abt-Team gegen die Disqualifikation ihres Starpiloten fairerweise keine Berufung eingelegt hatte, wurde der beste Startplatz nun von Spielberg-Sieger Marcel Fässler im Warsteiner AMG Mercedes eingenommen. Dieser dominierte das Qualifikationsrennen vor den Audis von Christian Abt und Mattias Ekström, hielt das Feld wohl aber absichtlich etwas auf, damit Bernd Schneider aufschliessen konnte. Dieser holte mit Platz 6 jedoch keine Punkte. Der Deutsche, dominierender Tourenwagenpilot der letzten Jahre, musste also unbedingt gewinnen, wollte er die Meiterschaft noch bis zum Finale nächste Woche in Hockenheim offenhalten.
Im Wertungslauf kam Marcel Fässler sehr schlecht von seiner Pole Position weg und verlor gleich vier Plätze. Während die Audis von Christian Abt und Mattias Ekström vor dem überraschend starken Alain Menu im Opel in Führung gingen, beschädigte Martin Tomczyk sein Auto in der ersten Kurve, der Tarzan Bocht, heftig, sodass er zum Wechsel der Frontpartie die Box ansteuern musste. Nach sieben Runden führte Ekström vor Abt, Menu und Schneider. Danach begannen erwartungsgemäss die Boxenstops. Abt, Menu, Schneider und Fässler kamen hintereinander in die Box, der bayrische Audi-Pilot versuchte dabei ebenfalls, die Mercedes etwas aufzuhalten. In der Boxengasse konnte Schneider durch einen schnelleren Stop an Menu vorbeigehen. In dieser Phase führte Ekström, der seinen Pitstop noch vor sich hatte, das Rennen klar an. Derweil kämpfte sich Laurent Aiello vom Start weg durch das ganze Feld und gewann teilweise in jeder Runde mehrere Plätze, er ging wie das heisse Messer durch die Butter. Nachdem der Reigen der Boxenstops beendet war, führte Ekström noch immer und zwar diesmal vor Mercedes-Pilot Peter Dumbreck, der als einziger noch nicht angehalten hatte. Bei noch sieben zu fahrenden Runden lief Aiello im Mittelfeld auf Uwe Alzen auf, als dieser sich verbremste. Der Audi berührte den Mercedes leicht am Heck und drehte diesen um. Alzen musste die Box anlaufen und konnte das Rennen erst wieder mit Rundenrückstand aufnehmen. Eine Stop and Go-Strafe für Aiello lag deswegen in der Luft, doch die Stewards reagierten diesbezüglich nicht. Zwar liess Fässler in der letzten Runde noch seinen Markenkollegen Schneider auf den zweiten Platz vor, doch dies reichte nicht, Aiello, der Sechster wurde, vom definitiven Titelgewinn 2002 noch abzuhalten. Mattias Ekström mit dem Red Bull Audi feierte seinen Premierensieg in der DTM, während das Schwesterauto von Karl Wendlinger das ganze Rennen hindurch unter technischen Problemen litt.
Noch vor der Siegerehrung zogen Fahrer und Techniker des Abt Audi Teams ausgerechnet schwarze T-Shirts mit der Aufschrift DTM Champions 2002 an. Jeder umarmte jeden und dann standen sie zu fünft auf dem Dach des Meisterautos. Laurent Aiello war nach dem harten Kampf vom letzten Startplatz aus sichtbar erschöpft, sagte aber dennoch: "Ich bin sehr glücklich, Teil dieses Teams zu sein." Nach der offiziellen Siegerehrung wurde auch er auf das Podium gebeten, die französische Hymne Marseillaise wurde gespielt, es gab aber keinen Champagner, sondern den deutschen Sekt Henkell Trocken als DTM-Hausmarke. Nach dem Gewinn der Super Tourenwagen Meisterschaften in Frankreich, England und Deutschland ist Aiello als DTM Meister 2002 einer der erfolgreichsten Tourenwagenpiloten weltweit.
Hans-Jörg Denzler
Ergebnisse
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1 Mattias Ekström (S), Audi, 24 Runden = 40:04.709
2 Bernd Schneider (D), Mercedes, + 05.545
3 Marcel Fässler (CH), Mercedes, + 07.724
4 Manuel Reuter (D), Opel, +08.744
5 Timo Scheider (D), Opel, + 10.138
6 Laurent Aiello (F), Audi, + 16.995
7 Christian Abt (D), Audi, + 18.333
8 Jean Alesi (F), Mercedes, + 18.866
9 Thomas Jäger (D), Mercedes, + 28.921
10 Joachim Winkelhock (D), Opel, + 29.831
11 Berd Mayländer (D), Mercedes, + 39.257
12 Christijan Albers (NL), Mercedes, + 43.526
13 Peter Dumbreck (GB), + 45.647
14 Eric Helary (F), Opel, + 55.677
15 Stefan Mücke (D), Mercedes, + 58.218
16 Patrick Huisman (NL), Mercedes, + 58.696
17 Uwe Alzen (D), Mercedes, + 1 Runde
18 Martin Tomczyk (D), Audi, + 2 Runden
19 Karl Wendlinger (A), Audi, + 2 Runden
20 Alain Menu (CH), + 10 Runden
21 Michael Bartels (D), + 23 Runden
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