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In dem für die Formel 1 wieder schmerzhaften Jahr 1973 geriet David Purley unfreiwillig in die Schlagzeilen. Gemeinsam mit seinem Freund Roger Williamson hatte er gerade den Sprung in die Formel 1 geschafft. Der Name der Familie Purley war in der Region um Bognor Regis / West Sussex durch die Kühlschrankfirma LEC des Vaters bekannt. Der am 26. Januar 1945 dort geborene David arbeitete früh in der Firma, u.a. als Personalchef, mit. Seine Liebe galt jedoch der Rennfahrerei und sein Vater unterstützte ihn schließlich bei seiner Rennfahrerkarriere mit Mitteln des Familienunternehmens. So ebnete sich David seinen Weg in die Formel 1 mit einem eigenen Team, Lec Refrigeration Racing. Bereits 1972 war er zu nationalen britischen F1-Wettbewerben angetreten, so wollte er in Brands Hatch mit dem hoffnungslosen Connew starten, doch Elektrikprobleme verhinderten das. Für 1973 mietete sich Purley einen der neuen March 731-Cosworth (welche der 721G-Zwitter- Konstruktion entsprungen waren) und trat damit bei einem F1-WM-Rennen erstmals Anfang Juni 1973 in Monaco an. Den nächsten Auftritt zu einem WM-Rennen gab es 6 Wochen später in Silverstone, dort gab auch sein Freund Roger Williamson mit einem gemieteten March des STP gesponsorten March-Werksteams sein GP-Debüt. Purley verunfallte bereits beim Training und konnte nicht starten, Williamsson schied im Rennen durch Unfall aus. Beim nächsten Rennen, Ende Juli in Zandvoort, beim ersten gemeinsamen GP-Start, ging es böse aus. Bereits in der 8. Runde kam Williamson von der Bahn ab, sein March kippte um und rutschte kopfüber und brennend an den Streckenrand. Purley lag direkt dahinter und hatte so den Unfall beobachtet. Er hielt sofort an und stürmte zu Williamson, der im Cockpit gefangen war - es spielte sich eine nicht zu beschreibende Tragödie ab. Die wenigen Streckenposten waren mit dem Feuer überfordert, Purley versuchte abwechselnd, Williamson zu befreien und zu löschen, doch er kam nicht durchs Feuer, so daß er völlig verzweifelt den Feuertod seines Freundes miterleben mußte. Trotz Hilfezeichen an andere Fahrer, hielt kein anderer an - die dachten, der an der Strecke winkende Purley wäre der Pilot des ausbrennenden Autos. Purley, der später für seinen Einsatz und Mut bei dem Rettungsversuch einige Auszeichnungen und Ehrungen erhielt (u.a. von Queen Elizabeth II. die George Medal), startete danach noch bei den WM-Läufen in Deutschland und Italien. 1974 tauchte Purley nur einmal zu einem F1-WM-Lauf an, das war in Silverstone, wo er sich mit dem Auto des Token-Teams nicht qualifizieren konnte. In den folgenden 2 Jahren bewarb er sich zu keinem F1-WM-Lauf mehr.

Jedoch arbeitete er an der Umsetzung der Pläne für eine eigene Formel 1-Konstruktion. Zur Verwirklichung des Projektes setzte der Vater den Werbeetat der Firma ein, schließlich sollte das Auto auch als Lec bezeichnet werden. Mit der Konstruktion wurde Mike Pilbeam beauftragt, der für 1975 den letzten brauchbaren BRM gebaut hatte. Das Chassis des BRM P 201 hatte einen strengen Trapezquerschnitt. Der Lec CRP 1 erhielt von Pilbeam ein breites, etwas verwinkeltes Aluminium-Chassis, das aber ebenfalls schräge Seitenflächen erhielt. Die Radufhängung war simpel, die Dämpfer lagen vorne innen, hinten außen. Vor den Hinterrädern waren freistehend die Kühler in Längsrichtung montiert. An der Front gab es ein breites Schild, das allerdings dem des BRM P 201 sehr ähnlich war, flach mit positivem Radius und runden Höckern vor den Vorderreifen. Über dem Motor gab es eine unelegante Airbox in Breite der Cockpitverkleidung und Höhe des Fahrerkopfes mit beidseitigen Fronteinlässen. Die Cockpitverkleidung begann auf Höhe der Vorderachse und stieg sanft an. Der Wagen war dunkelblau lackiert, versehen den roten und weißen Streifen, die auch Purleys Helm zierten. Die Rückspiegel waren stets rot.

In dieser Konfiguration gab der Wagen mit Purley sein Formel 1-Debüt beim Race of Champions in Brands Hatch 1977, wo gleich der 6. Platz erreicht wurde.

Ende der ersten Maiwoche trat Purley beim 5. Saison-Lauf im spanischen Jarama erstmals mit dem Lec zu einem WM-Lauf an. Äußerliche Veränderungen gab es im Heckbereich, wo die Kühler zur besseren Effizienz jeweils eine Art kleinen Seitenkasten erhalten hatten. Quer über den Frontschild waren nun auch rot-weiße Streifen gezogen. Jedoch konnte sich Purley neben fünf weiteren Fahrern nicht qualifizieren.

Für den Monaco-GP bewarb sich Lec nicht, im darauffolgenden WM-Lauf im belgischen Zolder reichte es mit dem 20. Startplatz von 27 qualifizierten Fahren locker zum WM-GP-Debüt. Der Wagen hatte deutliche Veränderungen erfahren, so war der Frontschild einem modernen Flügel gewichen, der vor der zeittypisch breiten Nase montiert war. Auf Länge des Motors waren richtige Seitenkasten gewachsen, nach Vorbild des Brabham BT 45B, den u.a. Freund John Watson fuhr, hatte man die Ölkühler an deren Enden quer zur Fahrtrichtung, schräg vor die Hinterräder montiert. In dieser Konfiguration blieb der Wagen bis zu seinem Ende. Regnerisches Wetter ermöglichte Purley ein aufsehenerregendes Rennen. Auf die Piste gewirbelter Sand und zunehmender Regen machten aus der Strecke eine Rutschbahn. Nach einer Einführungsrunde auf Slicks wurde gestoppt und das Rennen zum Wet-Race erklärt. Außer Hunt im McLaren wechselten auch alle auf Regenreifen. Der Start war der Auftakt zu einigen turbulenten Runden mit Unfällen und Drehern. Purley behielt in der durch Gischt und gestrandete Autos unübersichtlichen Situation die Nerven und machte pro Runde teilweise mehrere Plätze gut, so daß er in der 20. Runde hinter Brambilla (Surtees) und Laffite (Ligier) auf der unglaublichen 3. Position lag. In dieser Rennphase waren etablierte Fahrer dabei, ihre Fehler gutzumachen und wieder nach vorne zu drängen. Purley sah aber keine Veranlassung, Platz zu machen, so daß er sich mit Lauda im Ferrari anlegte, der dabei kurz neben die Piste mußte und sich später aufregte. Zur Rede gestellt, meinte Purley mutig, auch er hätte ja um die Führung gekämpft. In der 23. Runde lag Purley gar für einige hundert Meter in Führung, als Brambilla zum Reifenwechsel war. Kurz darauf stoppte Purley selbst und wechselte auf Slicks, da der Regen aufgehört und sich eine trockene Spur gebildet hatte. Dummerweise ging dabei der Motor aus und sprang erst nach mehreren Versuchen wieder an. Dadurch fiel er aussichtslos zurück, so daß er nur noch als 13. und vorletzter gewerteter Fahrer ins Ziel kam.

Zwei Wochen später startete Purley in Anderstorp vom 19. Startplatz, seine Quali-Zeit war nur 0,9 sec langsamer, als die vom 15.platzierten Lauda-Ferrari. Purleys Rennen lief in den ersten 10 Runden, in denen er sich einige Plätze erkämpfte, wegen Vibrationen im Antrieb ließ er an der Box einen Check machen, dadurch fiel er bis auf die drittletzte Position zurück. Später brach ihm der Schaltknauf ab, trotzdem konnte er in der 2. Rennhälfte wieder angreifen, zusätzliche Ausfälle vor ihm brachten dann den 14. Platz hinter Keegan im Hesketh und vor Neve im Williams.

In Frankreich, Dijon-Prénois, reichte es nur für den 21. Startplatz vor Fittipaldi im Copersucar. Allerdings konnten sich auch 7 Fahrer nicht qualifizieren. In der Startrunde machte er gleich 3 Ränge gut, doch aufgrund komplett ausfallender Bremsen drehte er sich in der 5. Runde, er rollte zur Box zurück und stieg dort aus.

Silverstone sah dann das Ende aller Lec-Hoffnungen. Beim Vormittagstraining hatte es ein kleines Feuer am Auto gegeben, das aber schnell wieder gelöscht werden konnte. Allerdings wurde das Auto nicht sorgfältig genug gesäubert, und der Löschschaum und das zuvor ausgetretene Benzin hatten eine harte Masse gebildet. Die blockierte beim nachmittäglichen Qualifying den Gaschieber in der Vollgasstellung. Aus 280 km/h heraus raste Purley mit voll getretener Bremse bei Becketts Corner von der Strecke, pflügte sieben Fangzäune nieder um noch mit voller Wucht frontal in die Holzbohlen der dortigen Streckenbegrenzung zu schlagen. Erst nach über einer halben Stunde konnte Purley, unter Einsatz schweren Werkzeugs und nach Anlegen einer Infusion, aus dem zertrümmerten Wrack befreit werden. Obwohl ein Pfosten der Fangzäune seinen Helm zerschlug, blieb er von Kopfverletzungen verschont. Jedoch hatte er zahlreiche Knochenbrüche (Becken und Beine) erlitten

Danach mußte Purley monatelang im Krankenhaus zubringen. Der zertrümmerte Lec ist heute noch im Donington- Museum zu sehen. Neben diesem Auto gab es noch einen oder zwei weitere, im Rahmen der WM wurde aber nur das verunfallte Chassis eingesetzt.

Purley hatte insgesamt lediglich 7 zur WM zählende GP-Rennen bestritten, 3 davon mit dem Lec.

Zwei Jahre nach dem Unfall wollte Purley es noch einmal wissen, aus alten und einigen neuen Teilen wurde für private Tests ein Wagen nach F1-Reglement aufgebaut. Er bestritt 1979 eine halbe Saison in der Aurora-Serie, in der er aber einen alten Shadow fuhr. Danach verabschiedete er sich endgültig von der Rennfahrerei und beschäftigte sich mit Kunstflug. Am 02. Juli 1985 flog er mit einem Doppeldecker an der englischen Südküste, nach einem Looping stürzte die Maschine wenige 100 Meter vom Ufer entfernt ins Wasser und zerbarst. David Purley, gerade 40 Jahre alt, war auf der Stelle tot.

Eigner: Familie Purley / Fa. Lec

Teamchef: David Purley

Konstrukteur: Mike Pilbeam

Fahrer: 31 ; David Purley

Fahrzeug: Lec CPR 1-Ford Cosworth

Motor: Ford Cosworth V8 DFV (Wartung: Ken Horton)

Zündkerzen: Champion

Getriebe: Hewland FGA 400

Stoßdämpfer: Koni

Benzin/Öl:

Reifen: Goodyear

Farbe: dunkelblau, weiße und rote Streifen

Hauptsponsor/Eigner: Lec - Britain’s Leading Refrigerators

Sponsoren: DUCKHAMS

- Einsatz 5ESP bis 10GB, außer 7MC -

 

 

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