
Die Bäume und auch die Wege in Kassels berühmter Karlsaue waren tief verschneit, die Temperaturen Mitte Februar, ganz im Gegensatz zu sonst üblich, tief im Minus-Bereich. Gegenüber, nicht weit von der Fulda entfernt, zog es die Oldtimer-Freunde der gesamten Region in die Messehallen. Nur die ganz hart gesottenen Hunde, Typen, wie man sie sonst nur beim Elefantentreffen oder mitten in der Nacht oben am Col de Turini trifft, bauten ihre Stände draussen auf dem Freigelände auf. Aber wie gesagt: Man muss nicht verrückt sein, um in Motorsport verwickelt zu sein, aber es hilft eben doch enorm. Es ist ja auch ganz wichtig, dass es eine Messe wie die Technorama (die alljährlich auch in Ulm und Hildesheim stattfindet) in einer Region gibt, in der der Motorsport aus ideologischer Borniertheit heraus fast drei Jahrzehnte lang systematisch ruiniert worden ist. Da sind die vielen Clubs aus der Umgebung, die auch ein Teil des sozialen Miteinanders sind. Da sind Leute, die sich lieber nichts zu Weihnachten, zum Geburts- oder Hochzeitstag schenken würden, um in mühevoller Kleinarbeit ein Motorrad zu restaurieren, das sie irgendwo beim Bauern in einer Scheune aufgestöbert haben. Wer rare Ersatzteile, eine der wenigen noch existierenden Betriebsanleitungen oder auch ein historisches Rennplakat sucht, der findet auf der Technorama den geeigneten Marktplatz. Im Zeichen der grossen Krise sein Geld, so man noch über welches verfügt, in einem perfekt restaurierten Oldtimer, sei es nun ein Lotus, Jaguar oder Porsche anzulegen, ist eine durchaus realistische Idee. Ganz wichtig ist dabei, das sich die Szene, in der sich die Experten oft über Generationen kennen, ganz ungezwungen treffen kann. Bratwurst und Bier, der Geruch von verbranntem Motoröl und der Sound von hochdrehenden Rennmaschinen, diese einmalige Atmosphäre, wie man sie vor allem bei den Bikern trifft, das zeichnet die Technorama. Dabei ist es übrigens keine Schande, dass die Menschen für ein paar Stunden an einem Winterwochenende die Sorgen um die materielle Existenz in den Hintergrund ihres Bewusstseins rücken wollen - für das allgegenwärtige Krisengerede haben sie schliesslich zuhause tagesschau und n-tv. Traumwagen gehören da einfach dazu. Der grösste Klassiker unter ihnen ist, allen Exoten vornehmlich aus italienischer Herkunft zum Trotz, der Porsche 911. Dessen Design wurde über die vier Jahrzehnte seines Bestehens nur massvoll der Zeit angepasst. Neu entwickeln konnte man ihn nicht, dann das hätte bedeutet: Das Rad neu zu erfinden. Die Technorama 2009 zeigte das ganze Spektrum der 911-Geschichte und darüber hinaus, wie spannend die professionelle Restauration eines klassischen Automobils doch sein kann. Dass es dazu hochgradig qualifizierter Spezialisten bedarf, ist eigentlich selbstverständlich. Im Zeitalter von Kohlerfaser und Mikroelektronik eher vom Aussterben bedrohte Disziplinen des Handwerks, die des Karosserie-Bauers oder des Sattlers etwa, sonst nur noch in der Oldtimer-Szene Grossbritanniens zu finden, bei Spezialbetrieben wie Trojan zum Beispiel, erleben nun auch auf der anderen Seite des Kanals eine gewisse Wiederbelebung. Und es gut zu wissen, dass es junge Enthusiasten gerade aus der Region gibt, die darin eine gewisse Form von Lebensaufgabe sehen. Das macht Hoffnung. Das gibt Mut.