

DIE WILDHUNDE KOMMEN
Vor dem neuen Grand Prix Sommer: Chancen und Perspektiven
Die Generation der jungen Väter, die Schumachers, Barrichello, Frentzen, aber auch Salo und Crazy Eddie Irvine, ist auf dem Höhepunkt ihrer Karriere angekommen. Mika Häkkinen macht offiziell eine Babypause - und dahinter haben die jungen Wilden, kaum dass sie die Schulbank verlassen und den Führerschein erworben haben, schon Blut gerochen.
Sie sehen aus wie Schäferhunde, sind aber Raubtiere und haben natürlich immer Hunger: Australiens Wildhunde, die Dingos. Die Dingos der Formel 1 haben 2002 so richtig Hunger auf Siege. Dabei ist Ralf Schumacher sogar beides: Junger Vater und Wildhund. Juan Pablo Montoya, Nick Heidfeld und Kimi Räikkönen, aber auch Alex Yoong, Mark Webber und Takuma Sato gehören zu einer irren, jungen Generation, die ihre Erfahrungen im Zeitraffertempo macht, als Kinder im Go Kart begannen, aber natürlich nicht alle neue Sennas sind. Und zwischen den Debütanten Felipe Massa und Alan McNish liegt eine Differenz von nahezu unglaublichen 12 Jahren - so alt waren die Kids, die von McLaren vor einiger Zeit in weiser Voraussicht unter Vertrag genommen worden waren. Massa (20), jetzt bei Sauber Petronas, fuhr für Alfa Romeo Tourenwagen, war aber 2001 auch Sieger der Europäischen Formel 3000. McNish (32), testete seit 1990 für McLaren, Benetton, Lola und zuletzt für seinen neuen Arbeitgeber Toyota und hatte im Sportwagen 2001 die American Le Mans Serie für Audi gewonnen.
Im November und Dezember 2001 war jegliche Testarbeit verboten und bei den Teams glühten deshalb Prüfstände und Computer, doch längst haben alle erkannt: Dies machen wir, weil viel zu teuer, 2002 bestimmt nicht wieder. Williams BMW (mit dem Brasilianer Antonio Pizzonia) und Ferrari verpflichteten für die massive Arbeit ab Januar einen zweiten Testpiloten, wobei Luciano Burti in Maranello nach seinem fürchterlichem Unfall von Spa 2001 gleich zweimal das grosse Los: Sein französisches Team gibt es nicht mehr. Alain Prost, als Fahrer ein Genie, als Teamchef ein Chris Amon, hatte im Winter das Insolvenzverfahren beantragen müssen, an dessen Ende die Liquidation der 1976 mit viel Geld aus dem Staatshaushalt als Equipe Ligier Gitanes gegründeten Firma stand. Die Kritik, nicht nur in Frankreich war vernichtend. Nicht nur von Jean Alesi, einst Prosts Angestellter (bis Mitte 2001), aber Anfang der neunziger Jahre auch Teamkollege bei Ferrari. Der Sizilien-Franzose fährt 2002 DTM (Deutsche Tourenwagen Masters) für Mercedes, der andere Aussteiger 2002, Mika Häkkinen, aber nur noch den Kinderwagen von Sohn Hugo.
Getestet wurde heuer in Barcelona, Valencia, Estoril, Mugello, Imola und im verregneten Silverstone, nicht aber in Kyalami/Südafrika, wo in den Vorjahren BAR Honda und Williams BMW vor 100, 000 Zuschauern gastierten. Die Rennstrecke oberhalb von Johannesburg steckt in finanziellen Schwierigkeiten, nachdem schon vor einem Jahrzehnt das berühmte Streckenhotel, die Kyalami Ranch, einst in den sechziger Jahren von einem ehemaligen KLM-Piloten begründet, hässlichen Neubauten weichen musste.
Die Resultate solcher Testsessions sind für die Techniker von erheblicher Wichtigkeit, für die Sensationspresse allerdings nicht minder. Vergleichbar sind solche Daten nicht. Verschiedene Strecken, Reifen, Wetter und Benzinladungen, dazu alte, Interims- und neue Autos: Das taugt für Propaganda-, aber nicht für Prognosezwecke. Eine erste reale Leistungsbestimmung wird frühestens nach den vierten Weltmeisterschaftslauf in Imola möglich sein. Wer immer auch behauptet, er könne die Leistungsfähigkeit eines Grand Prix Autos von aussen her beurteilen, der gibt sich schlicht und einfach der Spekulation hin, ohne dies aber zuzugeben. Es geht nämlich nicht. Und die wirklichen Daten, etwa bezüglich der Aerodynamik oder der Motorleistung, sind so geheim, dass sie in einem Team nur wenige Leute kennen, und das auch nur auf dem von ihnen bearbeiteten Fachgebieten. Von allen technischen Analysten unumstritten ist nur einer: Der italienische Journalist und Ingenieur Enrico Benzing. Dessen Aussagen über die Leistung der verschiedenen Motoren werden seit zwanzig Jahren auch von deren Konstrukteuren als relativ korrekte Näherungswerte akzeptiert.
Völlig verschieden sind auch die Windtunnels der einzelnen Teams, gleichgültig ob sie einen eigenen oder einen gemieteten benutzen. Wirklich falsche Ergebnisse liefern sie allerdings selten. Die Erhebung der Daten ist, handwerklich sauberes Arbeiten vorausgesetzt, eher Routine, deren Interpretation aber eine Kunst, die nur wenige beherrschen. Schliesslich gilt für die Arbeit im Windtunnel der allgemeine Grundsatz, dass das Resultat nur so gut sein kann, wie die angewendete Methode. McLarens Aerodynamik-Guru Adrian Newey wird sich an das Jahr 1990, wenn überhaupt, nur noch mit Schrecken erinnern. Einer seiner türkisfarbenen Leyton House Judd CG901 war auf der langsamen Piste von Monaco nicht einmal qualifiziert, auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke von Paul Ricard kämpften sowohl Capelli als auch Gugelmin mit den McLaren Hondas um die Spitze mit. Schuld an den mangelnden Abtriebswerten waren angeblich defekte Drucksonden in einem angemieteten Windtunnel. Als Konsequenz wurde Newey bei Leyton House gefeuert, um wenig später bei Williams seine Weltkarriere zu beginnen. Jaguars Technischem Direktor Steve Nichols ging es Anfang 2002 kaum besser, auch wenn er offiziell von seinem Amt freiwillig zurücktrat, um jungen Leuten mit frischen Ideen Platz zu machen. Zuvor waren am von ihm verantworteten Jaguar Cosworth R3 schon nach den ersten Tests Probleme mit dem Frontflügel (der ja in Anströmung des ganzen Autos bestimmt) aufgetreten. Jaguars Aerodynamik-Abteilung arbeitet noch immer im Windtunnel von Swift in Kalifornien. Da haben sie das Problem, das auch viele Deutsche Regierungsbeamte, die permanent zwischen Berlin und Bonn pendeln, zu schaffen macht: Sie sind zu lange im Flieger und zu wenig bei der Arbeit. Solche Schwierigkeiten sind bei Toyota in Köln, ganz in der Nähe der alten Hauptstadt, völlig unbekannt. Chassis und Motor werden wie bei Ferrari unter einem Dach produziert, der Windtunnel ist in die Fabrik integriert.
Die technischen Regeln haben sich für 2002 nur im Detail geändert. Eine Launch Control, die das Startlicht erkennt, ist ebenso verboten wie eine elektronisch gesteuerte Servolenkung. Erlaubt ist dagegen erstmals seit 1993 die zweidirektionale Telemetrie, die die Änderung verschiedener Computerprogramme im Auto auch von der Box aus ermöglicht. Der rückwärtige Crashtest wurde verschärft, die aus Kevlar bestehenden Halteseile für die Räder müssen um 20 Prozent stabiler werden. Die Rückspiegel werden ebenfalls um 20 Prozent, die roten Schlussleuchten gar um 50 Prozent grösser. Vorjahresautos an die neuen Regeln anzupassen ist somit kein Problem.
Ein schnelles altes, und ein noch schnelleres neues Auto hatte im Winter die Scuderia Ferrari Marlboro. Die stellten ihren F2002 als letztes Spitzenteam vor. Während eine Reihe von Konkurrenzautos überraschend viele Ähnlichkeiten mit dem F2001 aufweisen, selbst McLaren dort Anleihen machte, ist man in Maranello schon wieder einen Schritt weiter. Die Zeit zum Testen war jedoch im Januar und Februar recht knapp bemessen. Während Personal und Organisationstruktur unverändert blieben (und so seit Jahren für Stabilität und Kontinuität sorgen), gelang es einen neuen, grossen Sponsor zu gewinnen. Vodafone (Telekommunikation) repräsentiert die Zukunft, da sich die tradtionellen Zigarettenkonzerne immer mehr zurückziehen. Nach dem Chinesischen Kalender ist 2002 >Das Jahr des Pferdes<. Da blieben mehr Wünsche als Fragen offen.
Der MP4/17 von West McLaren Mercedes hat eine aerodynamisch verkleidete Vorderradaufhängung und erstmals einen Motor mit 90° Zylinderöffnungswinkel. Die Organisation zwischen den Firmen McLaren (in Woking/ Süd-England) , Ilmor (aus Brixworth, Mittel- England) und Mercedes-Benz im Süddeutschen Stuttgart wurde gestrafft. Der fiinische Wildhund Kimi Räikkönen soll erstmals Vizeweltmeister David Coulthard und Testpilot Alexander Wurz zu neuer Höchstleistung motivieren, denkt aber selber schon an Grand Prix Siege. Im August 2002 wird die ganze TAG McLaren Gruppe in das neue Hauptquartier Paragon umgezogen sein, das selbstverständlich auch über einen hochmodernen Windkanal verfügt. Gebaut hat das Meisterwerk moderner Baukunst Lord Norman Foster, der in Berlin den Reichstag umgebaut hatte, bevor er Hongkongs neuen Flughafen entwarf.
Seinem Vorgängermodell sehr ähnlich ist der FW24 von Compaq Williams BMW. Zwar hat sich Chef- Aerodynamiker Geoff Willis schon vor einiger Zeit dem BAR Team angeschlossen, Chef-Designer Gavin Fisher jedoch blieb. Der Technische Direktor Patrick Head, seit Jahrzehnten Co-Eigentümer von Williams, regiert in Grove nahe Oxford mit harter Hand, manchmal auch mit einer guten Portion Zynismus. Es gilt die Rivalität der Piloten Ralf Schumacher und Juan Pablo Montoya in produktiven Grenzen zu halten. Neu bei Williams ist Co-Sponsor FedEx (Logistik, vorher erst Benetton, dann Ferrari).
Red Bull Sauber Petronas vereint mit dem C21 erneut Solidität mit Flexibilität. Zwar hat der österreichische Energy Drink Hersteller Red Bull seine Aktienmehrheit an dem Schweizer Unternehmen an das Bankhaus Credit Suisse verkauft (diese suchen jetzt in Ruhe einen geeigneten Investor), bleibt aber Sauber-Sponsor.
Giancarlo Fisichella ist nach einer im Februar 2002 veröffentlichten Umfrage der erotischste aller Grand Prix Piloten. Nach vier Jahren mit Benetton kehrt der Italiener zurück zu DHL Jordan Honda, deren neuer Titelsponsor ein Tochterunternehmen der Deutschen Post AG ist. Die Zigarettenmarke Benson & Hedges bleibt dem im Britischen Silverstone beheimateten Irischen Team als Co-Sponsor erhalten. Der Britische Formel 3-Meister Takuma Sato ist zweiter Fahrer und einer von insgesamt vier Grand Prix-Novizen in 2002. Heimgekehrt ist schliesslich auch der frühere Chefdesigner Gary Anderson, einer von Eddie Jordans Irischen Blutsbrüdern. Einen grossartigen Einstand hatte bei Tests noch mit dem Vorjahresauto EJ11 der erst 19 Jahre alte Deutsche Marcel Lasée
Eine halbe Fussballmannschaft könnte man aus der Pilotentruppe von Lucky Strike BAR Honda aufstellen. Den Stammpiloten Jacques Villeneuve und Olivier Panis stehen mit Anthony Davidson, Darren Manning, Patrick Lemarie und Ryo Fukuda gleich vier Testpiloten zur Seite. Teamchef und Mitbegründer Craig Pollock, Villeneuve-Freund und einst dessen Sport-und Biologie-Lehrer in einem Schweizer Internat, wurde im Winter durch Dave Richards (früher Benetton) ersetzt.
Erstmals seit Adelaide 1985 (wo auch Niki Lauda zum zweitenmal zurücktrat) geht der französische Automobilhersteller Renault mit einem kompletten eigenen Auto an den Start, nachdem man während der neunziger Jahre als Ausrüster von Williams, Ligier und Benetton viele Jahre lang das Mass aller Dinge auf dem Motorensektor gewesen war. Doch anders als beim ersten Comeback 1977 bauen Mild Seven Renault ihre Autos diesmal in England, genauer gesagt in der ehemaligen Benetton-Fabrik in Enstone nahe Oxford. Dort sorgt ein gewachsener Technikerstab, der teilweise bis auf die alten Toleman-Pioniertage zurückgeht, für Kontinuität, während die Motoren mit dem weiten Zylinderöffnungswinkel weiterhin in Frankreich hergestellt werden. Die Piloten Jarno Trulli (der in Pescara geboren wurde und nach dem 1973 in Monza tödlich verunglückten finnischen Motorradrennfahrer Jarno Saarinen benannt ist) und Jenson Button sind eine fast ideale Mischung aus Jugend und Erfahrung.
Immer noch mit strukturellen Problemen zu kämpfen hatte im Winter HSBC Jaguar Cosworth. Dort fuhren im Winter die Chefs ihr Auto in Valencia sogar selbst, allerdings noch das Vorjahresmodell R2. Niki Lauda, der vor einiger Zeit den McLaren Mercedes Doppelsitzer (mit dem spanischen König Juan Carlos an Bord) gefahren hatte, wollte die moderne Elektronik besser verstehen lernen. Dr Wolfgang Reitzle, der mit der bildhübschen Starjournalistin Nina Ruge verheiratet ist, war wohl faszniert von dem Abenteuer, die eine solche Testsession ausmacht. Hinter den Stammpiloten, dem Nordiren Eddie Irvine und dem Katalanen Pedro de la Rosa, lauern mit dem Europäer André Lotterer und dem Australier James Courtney gleich zwei weitere Wildhunde.
Mit den gleichen Motoren wie Jaguar startet 2002 Orange Arrows Cosworth. Kurz vor Saisonbeginn wurde hier der Niederländer Jos Verstappen, der seine Grand Prix Karriere 1994 an der Seite Michael Schumachers bei Benetton begonnen hatte, durch Heinz-Harald Frentzen ersetzt, der durch den Konkurs von Prost Grand Prix seinen Arbeitsplatz verloren hatte. Den zweiten der vorallem in Frontbereich recht bizarr wirkenden A23 fährt auf Wunsch von Co-Sponsor Red Bull wie im Vorjahr der Brasilianer Enrique Bernoldi. Arrows war im Winter 1977/1978 aus einer Verschwörung der führenden Köpfe des US-Amerikanischen Shadow Teams gegen ihren Boss Don Nichols hervorgegangen und gaben ihr Debut in Interlagos 1978 unter Riccardo Patrese mit dem FA1, ausgerüstet mit einem Ford Cosworth Motor, der eine fast exakte Kopie des später erscheinenden Shadow Ford DN9 war. Den wenig später folgenden Schadenersatztprozess überlebte Arrows ebenso, wie ein turbulentes Vierteljahrhundert, obwohl noch nie in der Firmengeschichte ein einziger Grand Prix gewonnen werden konnte.
Wirtschaftlich nahezu vollständig auf den asiatisch-pazifischen Raum ausgerichtet hat der australische Teambesitzer Paul Stoddart KL Minardi Asiatech, die nach wie vor im italienischen Faenza beheimatet sind. Stoddart, der hauptberuflich sein Geld mit der Fluggesellschaft European Aviation, aber auch mit dem Verkauf von Flugzeug-Ersatzteilen verdient, gelang es trotz weltweiter Rezession vorallem in Malaysia Sponsoren zu finden und mit Asiatech (früher Peugeot F1) auch einen Werksmotor zu erhalten. Alex Yoong aus Malaysia und Mark Webber, Australier wie die Brabham-Dynastie und Alan Jones, sind noch unerfahren, lernen aber schnell. Mit den früheren Prost-Mitarbeitern John Walton und Loic Bigois und dem früheren Ferrari-Designer George Ryton verfügt Minardi über gutes Personal im Management- und Technologiebereich.
>Nichts ist unmöglich< lautet der Werbeslogan von Toyota auf dem deutschspracigen Markt. Panasonic Toyota in Köln wird vom Elektronikkonzern Matsushita gesponsort und vom österreichischen Stardesigner Gustav Brunner als Technischem Direktor dirigiert. Motorenchef ist Norbert Kreyer, der wie Brunner schon einmal ganz in der Nähe von Köln in einem Grand Prix Team gearbeitet hatte: Bei Zakspeed in Niederzissen. Toyotas Piloten Mika Salo und Alan McNish sind zuverlässig und trotzdem schnell, was in der Aufbauphase eine neuen Teams ganz besonders wichtig ist. Dass McNish in seinem Debutjahr schon 32 Jahre alt ist, spielt überhaupt keine Rolle. Damon Hill war 1992 in panien mit einem Brabham Judd genauso alt, vier Jahre später war er Weltmeister, nachdem er zuvor scon zweimal Zweiter gewesen war.
Sommer ist, wenn die Rennen gefahren werden, Winter ist, wenn sie ruhen, ist die ebenso einfache und doch so komplizierte Philosophie des Grand Prix Sports. Die schönste Féte des Winters 2002 war die Grand Prix Party in der Londoner Royal Albert Hall, wo auch die Grand Prix Oscars, die Bernies (unter anderem an Sir Frank Williams, Paul Stoddart und Michael Schumacher) verliehen wurden, deren Gewinn aber an die von F.I.A.-Chefarzt Professor Sid Watkins gegründete Stiftung für Hirn- und Rückenmarkverletzte ging. Die frechste Straftat des Winters hingegen war der Diebstahl eines Helmprototypen für Michael Schumacher bei Schuberth in Braunschweig nahe des Motoparks Oschersleben. Später packte den Dieb wohl das schlechte Gewissen, als er den Helm bei einem Priester wieder abgab. Peinlich war die Affaire dennoch: Schuberth ist eigentlich ein hochspezialisierter Betrieb für Verteidigungstechnik, der nicht weniger scharf bewacht wird, wie das Deutsche Verteidigungsministerium Hardthöhe in Bonn. Aber auch dort häuften sich seit 2001 die Pannen. Wie oft der Pfarrer von Maranello die Glocken für Ferrari-Siege läuten wird der spannende Grand Prix Sommer 2002 zeigen.
Wer die Zukunft gestalten will, muss erst einmal die Geschichte kennen. Manche begreifen das nie. Der frühere Grand Prix Fahrer Ian Aslhey ( unter anderem bei B.R.M und Token ) wurde im Winter, nur wenige Monate nach dem 11. September 2001 vor einem USA-Flug mit einem Messer in einem seiner Socken ertappt. Terrorist ist er natürlich keiner, dafür aber sprichwörtlich dümmer als die Polizei erlaubt.
Auch Michael Schumacher fällt immer wieder durch Desintresse an Historie und Tradition seines Sports auf, der ihm enormes Prestige und feudalen Wohlstand beschert. F.I.A.- Präsident Max Mosley, vielsprachiger Rechtsanwalt und auch Physiker, einst hineingeboren in ein Elternhaus der Zeitgeschichte, macht dies regelmässig so richtig schön frustriert.
>Light the fire within< war das Motto der XIX. Olympischen Winterspiele in Salt Lake City. Einer, in dem das Feuer bis zur letzten Sekunde seines kurzen Lebens brannte, wäre am 18. April 2002 sechzig Jahre alt geworden. Jochen Rindt, Sohn eines Gewürzfabrikanten aus Mainz am Rhein, ganz in der Nähe des Nürburgrings, war im Alter von nur 15 Monaten bei einem Bombenangriff auf die Hamburger Speicherstadt Vollwaise geworden und deshalb bei den Eltern seiner Mutter im österreichischen Graz aufgewachsen und erzogen worden. Rindt starb am 5. September 1970 im Abschlusstraining von Monza - und wurde Wochen später dennoch Weltmeister. Nicht nur seine aussergewöhnliche Biographie macht Rindt drei Jahrzehnte danach noch immer zum Idol für Millionen, zur Kultfigur auch im 21. Jahrhundert. Rindt war wahrscheinlich der schnellste Mann, der jemals einen Rennwagen gefahren hat. Für alle Leute in der Gegenwart, nicht nur die, die damals schon dabei waren: Das Feuer brennt. Noch immer. Und jeden Sommer wieder neu.
Klaus Ewald
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